Kaumuskeltherapie mit Botulinumtoxin A

Knapp jeder Fünfte leidet tagsüber unter übermäßigem Zähneknirschen oder Zähnepressen, dem sog. Wachbruxismus. Circa halb so viele Patienten haben dieses Problem auch nachts. Diese dauerhafte Aktivität der Kaumuskulatur trainiert die Kaumuskeln übermäßig. Insbesondere der große Kaumuskel im Bereich des Kieferwinkels, der Musculus Masseter, ist hiervon betroffen. Es kommt zu einer immer weiter voranschreitenden Verdickung des Muskels, die sogar zu einer eckigen Veränderung der Gesichtsform führen kann.

Sofern keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden, kann der Muskel die Zahnoberflächen beim Knirschen teilweise beschädigen. Die meisten Patienten suchen ihren Zahnarzt dann zunächst mit Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke auf. Häufig sind zusätzlich zu den Schmerzen auch Abnutzungen im Bereich der Zahnoberflächen zu finden.

Therapie des Bruxismus

Wie bei jeder Erkrankung sollte zunächst nach der Ursache gesucht werden. Erste Schritte sind das Abtasten der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke sowie das Anfertigen von Röntgenbildern. Weiterhin wird der behandelnde Zahnarzt die Kieferöffnung genau beobachten. Dadurch kann auf etwaige Funktionsstörungen der Kiefergelenke geschlossen werden. Häufig ist der Bruxismus Teil eines Symptomkomplexes, der cranio-mandibulären Dysfunktion („CMD“).

Durch spezielle, nächtlich oder auch ganztägig zu tragende Zahnschienen können die Symptome dieser Erkrankung häufig gebessert werden. Darüber hinaus ist auch Physiotherapie vielversprechend. Bei fortgeschrittenen Erkrankungsbildern kann es jedoch zu einem Teufelskreis kommen: Die viel zu starke Kaumuskulatur übt beim Knirschen oder Pressen enorme Kräfte auf die Zahnkronen aus, was zu Schmerzen führt.

Paradoxerweise reagiert der Körper hierauf häufig unterbewusst mit einer noch stärkeren Anspannung, die wiederum zu stärkeren Schmerzen führt. Ist dieser Punkt erreicht, so ist ein Durchbrechen dieses gestörten Regelkreises mit konventionellen Mitteln meist nur noch sehr schwierig möglich. Hier kann die muskelentspannende Wirkung von Botulinumtoxin A helfen.

Was ist Botulinumtoxin A?

Botulinumtoxin A, landläufig auch mit einem der verfügbaren Handelsnamen Botox® bezeichnet, ist ein natürlich vorkommendes Protein. Es wird zur Verwendung in der Medizin im Labor hergestellt. Durch die Übertragung von Signalen von Nervenzellen auf einzelne Muskeln und einige Drüsen werden diese teilweise oder vollständig für bis zu 6 Monate gehemmt.

Bekannt ist Botulinutoxin A vor allem aus der ästhetischen Medizin, wo es meist zur Behandlung von Falten oder bei übermäßigem Schwitzen eingesetzt wird. Auf Grund der ausgezeichneten Wirksamkeit werden nur geringste Mengen von Botulinumtoxin A benötigt. So kann der gewünschte Effekt erzielt werden, ohne dass allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten beschrieben sind. Auch den ganzen Körper betreffende Nebenwirkungen sind nicht anzunehmen.

Hilft Botulinumtoxin A bei Bruxismus?

In vielen Fällen: Ja! Sofern andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind, kann eine Therapie der Kaumuskulatur mit Botulinumtoxin A erwogen werden. Voraussetzung für eine Therapie mit Botulinumtoxin A ist, dass ein vermehrtes Wachstum der Kaumuskulatur vorliegt. Meist bietet sich eine Behandlung des Musculus Masseter an. Hierzu wird der Muskel getastet und es werden Injektionspunkte festgelegt. Je nach Größe und Volumen des Muskels kann die Menge des benötigten Wirkstoffes variieren.

Der Wirkstoff wird dann nahezu schmerzfrei mit einer feinen Kanüle in den Muskel gespritzt. In den nächsten Tagen kommt es zu einer Schwächung der Übertragung von Signalen der motorischen Nerven zum Muskel. So wird die krankhaft gesteigerte Aktivität wieder auf ein normales Niveau herabgesetzt. Kauen ist weiterhin gut möglich, da die Kraft anderer Muskeln für das Kauen immer noch mehr als ausreichend sind.

Nach 4-6 Monaten geht der Effekt langsam zurück. Durch die Nichtbenutzung über die vergangenen Monate ist der anfangs vorhandene, krankhafte Trainingseffekt „zurückgebaut“. Meist kann so der Teufelskreis von Muskelaktivität-Pressen-Schmerz-Muskelaktivität nach einer oder mehreren Sitzungen durchbrochen werden kann. So kann das Abtrainieren des Pressens und Knirschens effektiv unterstützt werden. Je nach Entwicklung der Symptomatik kann die Behandlung beliebig oft wiederholt werden. Generell ist im ersten Jahr mit einer zwei- bis dreifachen Anwendung zu rechnen.

Die Behandlung von Bruxismus mit Botulinumtoxin A ist in der international verfügbaren Literatur mittlerweile als gut wirksam belegt. Es ist davon auszugehen, dass die Erfolgsraten denen der Behandlung mit Zahnschienen entsprechen, gegebenenfalls sogar besser sind. Insbesondere scheint die Verbesserung der Muskelschmerzen durch Botulinumtoxin A besser zu sein. Auch die deutschen Leitlinien zu Diagnostik und Therapie des Bruxismus äußern sich bereits seit mehreren Jahren positiv zur Verwendung von Botuliumtoxin A.

Voraussetzungen und Behandlungsablauf

Die Behandlung mit Botulinumtoxin A gehört in erfahrene Hände. Zum einen sind nicht alle Gesichtsschmerzen und Muskelverspannungen im Bereich der Kiefer effektiv mit Botulinumtoxin A zu behandeln. Daher ist eine enge Zusammenarbeit von Zahnarzt und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg sehr wichtig. In der Kieferchirurgie Königsallee in Düsseldorf ist Priv.-Doz. Dr. Dr. Alexander Zeller Ihr Spezialist für diese Eingriffe.

Die Prozedur erfordert detaillierte Kenntnisse der Anatomie des Gesichts und der Kaumuskulatur. Patienten, die für eine Behandlung mit Botulinumtoxin A in Frage kommen, werden zunächst ausführlich über die Behandlung aufgeklärt. Danach erfolgt das Injizieren des Medikaments an meist 6 Punkten pro Seite mit einer feinen Kanüle. Daher ist die Behandlung dann nahezu schmerzfrei. Patienten sind danach sofort wieder gesellschaftsfähig.

Nach einem Tag kann mit den ersten Effekten der Behandlung gerechnet werden.

Kosten

Die Behandlung mit Botulinumtoxin A ist noch nicht Teil des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten betragen etwa zwischen 350 EUR und 550 EUR (Richtwert, die Berechnung erfolgt immer individuell) und sind daher zunächst privat zu tragen.

Gegebenenfalls übernehmen Zusatzversicherungen oder private Krankenversicherungen die Therapie jedoch teilweise oder in manchen Fällen sogar voll.

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